Kleinster gemeinsamer Nenner oder: Ich bin wie Du, nur anders

 

Alles ist eine Frage der Sichtweise. Ob man eher Gemeinsamkeiten oder Unterschiede wahrnimmt, ist Ansichtssache. Wir sind alle Menschen mit entsprechenden Merkmalen, die uns vom Tier- und Pflanzenreich oder gar vom Reich der Mineralien abgrenzen. Aber es ist durchaus möglich, auch mit diesen Wesen Verbindendes zu finden – der Aufbau aus Atomen, oder noch etwas höher gegriffen, die gemeinsame Zugehörigkeit zu einer göttlichen Schöpfung. Ganz nach Belieben lässt sich der Ausschnitt größer oder kleiner wählen. Allein die Sichtweise ist es, die eine Wahrheit erschafft – Deine Wahrheit.

 

Aber bleiben wir zunächst bei der menschlichen Spezies.

 

Kennt Ihr das auch: manche Menschen machen einen einfach aggressiv, rufen negative Gefühle hervor, wie Abneigung, Wut, Ekel. Wir fühlen uns definitiv getrennt von ihnen – und doch sind wir eigentlich alle eins. Wir sind alle ein Teil des großen Ganzen, ein Teil von Gott. Aber wie kann ich das annehmen bei dem Kollegen, der mich anschnauzt, bei dem Autofahrer, der noch an mir und meinem Kind vorbei rast, während die Fußgängerampel schon grün ist, bei dem grölenden, betrunkenen Penner in der Straßenbahn, bei der jungen Mutter, die mit Kippe im Mund in primitivster Art ihre Kinder anschreit … Ich habe mal versucht, einen gemeinsamen Nenner mit diesen Menschen zu finden - und siehe da, es geht. Ich gehe der gleichen Arbeit nach wie der Kollege, ich habe es manchmal genauso eilig, wie der Autofahrer, ich atme die gleiche Luft wie der Penner und habe Kinder zur Welt gebracht, wie die fremde Frau an der Haltestelle. Irgendeine Gemeinsamkeit gibt es immer, eine ganz irdische, die leichter zu begreifen ist, als unser gemeinsamer göttlicher Ursprung. Und siehe da, bei aller Verschiedenheit ist doch plötzlich auch eine winzig kleine Verbundenheit spürbar und der Andere ist nicht mehr ganz so fremd. Man muss ja deshalb nicht alles gut finden, was er oder sie tut und auch die negativen Gefühle haben ihre Berechtigung, aber gleichzeitig entstehen durch diese Übung Mitgefühl, Verständnis und Toleranz und damit ein Fünkchen Liebe.

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